Jeder Umzug, insbesondere ein Auslandsumzug, ist Stress für das Kaninchen. Manchmal ist er aber nötig und wir möchten jedem Mut machen. Wir selbst sind mit unseren drei Kaninchen nach Schweden umgezogen und das hat deutlich besser geklappt als befürchtet. Mit das schwierigste daran ist die Entscheidung: Auto, Zug oder Flugzeug. Wenn ein Kaninchen Autofahren gewöhnt ist, ist das evtl. die beste Alternative. Wir entschieden uns, weil unsere Tiere Autofahren nicht kannten, für das Flugzeug. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich das Kaninchen so und so aufregt: Wenn ein Flug für das Tier genauso ungewohnt ist, wie eine Autofahrt, würde ich mich deshalb immer für die kürzere Alternative entscheiden. Und das ist meist der Flug.
Wir haben monatelang nach eine Airline gesucht, die Kaninchen im Passagierraum mitnimmt. Warum im Passagierraum? Selbst einige Fluggesellschaften haben uns die Auskunft gegeben, dass die Situation in vielen Frachträumen dermaßen katastrophal wäre, dass sie selbst dringend davon abraten würden. Im Passagierraum hat man da wenigstens selbst die Kontrolle. Wenn man eben eine Fluggesellschaft findet, die das zulässt. In unserem Fall war das nur Finnair, was auch dazu führte, dass wir ein Umsteigen in Helsinki auf uns nehmen mussten und nicht direkt nach Stockholm fliegen konnten.
Grundsätzlich ist meine Meinung, dass alle Airline Angestellten erst mal darauf getrimmt sind, die Mitnahme von Tieren zu verweigern. Es lohnt sich durchaus, verschiedenen Stellen und Büros der Airlines anzurufen. Ich habe mittlerweile von jemand gehört, der seine Kaninchen auch mit der Lufthansa transportieren konnte, was uns verwehrt wurde. Also oftmals nachhacken ist die einzige Möglichkeit.
Das Problem ist, dass viele Fluggesellschaften zwar kleine Hunde und Katzen im Passagierraum zulassen, aber keine Nagetiere zulassen, denn die seien zu gefährlich. Dabei gehen sie offensichtlich erst mal davon aus, dass der Besitzer so doof ist und sein Kaninchen verbotenerweise aus der Box lässt und es alles anfrisst und die Maschine abstürzt. Dieses geringe Risiko könnte man durchaus abstellen – zum Beispiel hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn die Fluggesellschaft ein kleines Vorhängeschloss an der Box anbringt, aber da besteht keine Kompromissbereitschaft. Da hilft nur: immer wieder fragen.
Und noch ein Tipp: Hat man endlich eine Gesellschaft gefunden, die sich auf den Transport der Nager einlässt, dann unbedingt eine schriftliche Bestätigung geben lassen und die Telefonnummer des Ansprechpartners, auch wenn viele sagen, dass muss nicht auf dem Flugschein vermerkt sein.
Bei uns lief es so ab, dass bei Finnair die Mitnahme genehmigt war (die Airline musste erst für den entsprechenden Flug in Helsinki anfragen und wir mussten versichern dass die Einreisemodalitäten der Tiere nach Schweden geklärt sind) und natürlich dann am Flughafen erst mal trotzdem das gesamte Bodenpersonal die Mitnahme verweigert hat. Erst ein erneuter Anruf bei der Zuständigen Frau der Finnair-Zentrale Deutschland schaffte Klarheit und wir durften sie mitnehmen. Wie bei vielen Fluggesellschaften ist es bei Finnair so, dass pro Person eine Box mitgenommen werden darf, die je nach Airline zwischen 5 und 9 Kilo wiegen darf. Bei uns mussten sich also Rhina und Bobby eine Box teilen, Fridolin hatte seine eigene.
Natürlich mussten wir bei der Sicherheitskontrolle (Tiere natürlich nicht durch das Röntgengerät schicken, sondern auf dem Arm durch die Absperrung tragen) noch mal nachweisen, dass die Tiere mitgenommen werden dürfen.
Im Flugzeug standen die Boxen unter dem Vordersitz – natürlich waren die Tier nervös, aber auch dank der homöopathischen Vorbereitung (s.u.) durch unsere sehr gute Tierärztin, ging es gut. Beim Umsteigen in Helsinki gaben wir allen Tieren zur Sicherheit einmal Critical Care ein, damit der Magendarmtrakt bei der doch 10-stündigen Reise nicht aus der Bewegung kommt, allerdings waren sie doch so ruhig, dass sie sogar Heu gefressen haben.
Die Einfuhr an sich war kein Problem. Drei Kaninchen sind in Schweden ohne speziellen Antrag erlaubt, so man sie seit 6 Monaten besessen hat oder man sie selbst aufgezogen hat. Hier waren auch keine Impfungen erforderlich. Alles in allem haben sie es sehr gut verkraftet und wir sind froh uns zu diesem Schritt entschlossen zu haben.
Meist ist es so, dass pro Person eine Box mitgenommen werden darf, die je nach Fluggesellschaft zwischen 5 und 9 Kilo wiegen darf. Auch die Maße der Box sind beschränkt – einheitlich (und das ist das schwierigste) darf die Höhe nur 25 cm betragen, damit die Box zumindest bei Start und Landung unter den Vordersitz passt. Und diesen Massen entspricht, unserer Kenntnis nach nur eine Box , die Reisebox für Nager Pet Caddy Compact in den Maßen 48cm x 33cm x 23cm. Um es gleich vorweg zu sagen: die Box hat einige Schwächen. So ist es schwierig, eine Trinkflasche anzubringen (was aber unbedingt sein muss) und die Scharniere der Box zeigen sehr schnell Verschließerscheinungen oder gehen völlig kaputt, besonders, wenn man den Deckel aus Versehen etwas verkantet. Nichts desto trotz ist es die einzige uns bekannte Box die den Flugzeugmaßen entspricht. Die Höhe erscheint gering, aber ist für ein Kaninchen bis ca. 3 kg durchaus ok, und auch für zwei kleinere ausreichend.
Der Transport einer Box kostete bei Finnair etwas 40 Euro – liegt bei allen Fluggesellschaften ungefähr in der Höhe.
Alle anderen Boxen sind zu hoch (s.u.). Es gibt noch Tragetaschen, welche ich für Kaninchen als völlig ungeeignet einstufe.
Das Kaninchen sollte Wasser und Futter zur Verfügung haben. Bei längeren Reisen empfehle ich Critical Care und eine Spritze ohne Nadel dabei zu haben, für den Fall dass das Tier nicht selbst frisst.
Im Gegensatz zu anderen Tieren, sollten Kaninchen übrigens niemals nüchtern verreisen. Ihr Magen-Darmtrakt sollte immer in Bewegung bleiben und das bisschen Urin und Kot fängt eine dicke Zellstoffschicht oder Einstreu schon auf.
Finnair - nimmt Nagetiere auch im Passagierraum mit, allerdings ist eine langfristige Anmeldung vorher notwendig. Die Airline fragt bei der Zentrale an, ob eine Mitnahme auf dem bestimmten Flug möglich ist. Dies dann unbedingt für eventuelle Probleme am Flughafen schriftlich bestätigen lassen. Die Gebühr von 40 Euro pro Box (je Reisender eine Box, Gewicht Tier + Box höchstens 8 kg, pro Flugzeug nur zwei Boxen, allerdings ist die Gefahr, dass da noch andere auf die Idee kommen gering) haben wir direkt am Flughafen bezahlt.
Lufthansa - nimmt laut Bestimmungen keine Nager im Passagierraum mit, aber es soll schon Ausnahmen gegeben haben. Deshalb ruhig mehrmals nachfragen. Die Beförderung im Gepäckraum (so man das den Tieren antun möchte) ist möglich.
SAS - nimmt laut Bestimmungen keine Nager im Passagierraum mit. Die Beförderung im Gepäckraum ist möglich.
Ryan Air - Befördert gar keine Tiere, mit Ausnahme von Blindenhunden.
Flynordic.com - Befördert gar keine Tiere.
KLM - nimmt laut Bestimmungen keine Nager im Passagierraum mit. Die Beförderung im Gepäckraum (so man das den Tieren antun möchte) ist möglich.
Air France - nimmt laut Bestimmungen keine Nager im Passagierraum mit. Die Beförderung im Gepäckraum ist möglich.
Ein ganz wichtiger Punkt. Hier nutzt es nichts, auf die Freundlichkeit der Zollbeamten zu hoffen – unerlaubt eingeführte Tiere werden sofort zurückgeschickt oder im schlimmsten Fall euthanasiert. Die unten genannten Einreisebestimmungen gelten nur für die Einfuhr aus EU- Ländern. Für die Schweiz gelten meist die selben Bestimmungen, hier aber unbedingt noch mal erkundigen.
Dänemark - Bis zu zehn Kaninchen, Hasen, Chinchillas, Finken, Kanarienvögel und Wellensittiche, die der Besitzer seit mindestens sechs Monaten oder von Ihrer Geburt bei sich gehabt hat, können frei von den EU-Ländern, Grönland und den Färöern nach Dänemark mitgebracht werden.
Bei der Einfuhr von neu erworbenen Kaninchen, Hasen, Chinchillas, Finken, Kanarienvögeln und Wellensittichen oder mehr als zehn Exemplaren der oben erwähnten Tiere ist eine Einfuhrgenehmigung bei den dänischen Veterinärbehörden anzufordern:
Weitere Infos:
FØDEVAREDIREKTORATET
Mørkhøj Bygade 19
DK-2860 Søborg
Tel. (0045) 33 95 60 00
Fax (0045) 33 95 60 01
http://www.uk.foedevarestyrelsen.dk/forside.htm
Frankreich - Hier ist die Höchstgrenze für freie Einfuhr: 5 Kaninchen.
Trotzdem muss ein Dokument, das dem im Anhang 27 der Verordnung des 19. Juli 2002 gegebenen Muster entspricht, bei der Zollkontrolle vorgezeigt werden und von einem offiziellen Veterinär des Herkunftslandes vorschriftsmäßig ausgefüllt sein.
Weitere Infos:
Ministère de l’Agriculture et de la Pêche
Direction générale de l’alimentation (DGAL)
Sous direction de la santé et de la protection animale
Bureau de la protection animale
251, rue de Vaugirard
75732 Paris Cedex 15
FranceTel.: 00 33-1-49-55-84-70
Fax: 00 33-1-49-55-81-97
Großbritannien - Für die Einfuhr wäre eine Quarantäne von 6 Monaten vorgeschrieben. Weitere Infos unter:
http://www.defra.gov.uk/animalh/quarantine/pets/rabbits.htm
Island - Die Einfuhr von Tieren im Allgemeinen ist nur nach Sondergenehmigung und 4-6-monatiger Quarantäne möglich.
Österreich - Die Einfuhr von bis zu fünf Kaninchen ist ohne grenztierärztliche Genehmigung erlaubt.
Italien - Für die Einfuhr von Hauskaninchen in Begleitung eines genügt eine Gesundheitsbescheinigung der amtlichen Veterinärbehörde des Ursprungslandes, in der nachgewiesen wird, dass das Tier nach der Gesundheitskontrolle keine Symptome einer für diese Tierart typischen Krankheit aufwies.
Weitere Infos:
Konzularkanzlei Italien
Hildebrandstraße 1
10785 Berlin
Tel: 030-25 440 –0
Fax: 030-25 440 –120
Norwegen - Kaninchen darf man nicht nach Norwegen einführen, weder im Urlaub noch beim Umzug. Begründung: Kaninchen können mehr ansteckende Krankheiten als andere Kleinnager übertragen, wie Symatose oder RVHD - Rabit viral hemoragic decease. Diese Krankheiten gibt es in Norwegen nicht und man fürchtet die Ansteckungsgefahr bei der Einfuhr.
Schweden – hier können drei Kaninchen ohne vorherige Genehmigung, ohne Impfung, ohne Chip oder sonstiges eingeführt werden. Man muss versichern können (mündlich) dass das Kaninchen schon sechs Monate in seinem Besitz ist oder bei einem geboren wurde und man sie nicht weiter veräußern will.
Wer das Tier noch nicht so lange besitzt, oder mehr als drei Kaninchen hat, muss rechtzeitig (die Papiere müssen mindestens 30 Tage vor Einfuhr vorliegen) eine Einfuhrgenehmigung beim Jordbruksverk beantragen. Dies kostet 100 SEK, also ungefähr 11 Euro.
Weiter Infos bei:
Jordbruksverket
551 82 Jönköping
Schweden
Telefon: 036-15 50 00
Fax: 036-19 05 46
http://www.sjv.se
Schweiz – Kaninchen können ohne Zeugnis, ohne grenztierärztliche Untersuchung oder sonstige Formalitäten eingeführt werden, wenn nicht mehr als drei Tiere gleichzeitig eingeführt werden.
Natürlich ist ein Gesundheitscheck beim Tierarzt vor der Reise dringend anzuraten. Unsere Kaninchen wurden von der Tierärztin homöopathisch auf die Reise vorbereitet. Sie bekamen je Tier ab eine Woche vor Reiseantritt täglich dreimal ein Globuli Borax D4 und am Reisetag ein Globuli Caffea D 30 (hohe Potenz wegen Akutmedikament). Das hat sehr gut gewirkt. Es gibt auch die Möglichkeit der Behandlung mit Bachblüten. Von richtigen Beruhigungspräparaten etc. rate ich Abstand zu halten, die können oft größeren Schaden als Nutzen anrichten. Wir haben unsere Tiere auch vor der Reise immer wieder in die Flugboxen gesetzt und sie sogar mit Flugzeuglärm beschallt, damit ihnen die Situation nicht allzu ungewohnt war. Auch empfiehlt es sich in den ersten Tagen nach Ankunft immer wieder das Gewicht der Tiere zu kontrollieren, damit man weiß, dass sie wirklich normal fressen.
Natürlich sollte schon möglichst bald nach der Ankunft ein möglichst dem altem Käfig ähnlicher Käfig zur Verfügung stehen und auch das gewohnte Futter etc.
Nach jedem Ortswechsel ist mit einer Eingewöhnungszeit zu rechnen. Dies kann von Tier zu Tier sehr unterschiedlich sein. Fridolin bewegte sich bereits nach 3 Tagen in der neuen Wohnung als hätte er nie was anderes erlebt, Rhina verließ zehn Tage den Käfig gar nicht, aber nachdem sie dann mal draußen war, hatte sie gar keine Probleme mit der neuen Umgebung mehr und Bobby war der gleiche Angsthase, wie vor dem Umzug.
Das wichtigste ist, dass das Tier gleich wieder frisst. Es ist deshalb wichtig, dass dem Tier das gewohnte Futter zur Verfügung steht. Es kann auch sinnvoll sein, dass Tier anfangs regelmäßig zu wiegen, um zu sehen, ob es genug frisst.


