Eine sehr schwer zu beantwortende Frage. Früher stand in Büchern oft 8-10 Jahre und es stimmt, Kaninchen können 8 Jahre und älter werden. Immer wieder hört man auch von 12-jährigen Kaninchen. Und man sollte sich auch drauf einstellen, dass das Tier unter idealen Umständen durchaus eine Alter von 8 bis 10 Jahren erreichen kann. Aber man sollte sich auch darüber bewusst sein, dass die Überzüchtung der Kaninchen in den letzten Jahren (immer kleiner und ausgefallenere Rassen), dem Kaninchen nicht unbedingt gut getan hat. Obwohl die medizinische Versorgung immer besser wird muss man leider eher von einer sinkenden Lebenserwartung sprechen. Natürlich achten die meisten bei der Anschaffung eines Kaninchens darauf, dass es gesund und vital wirkt – eine Garantie ist das aber nicht. Ich kenne Geschwistertiere, bei denen einer mit nur einem Jahr verstarb, während das andere neun Jahre wurde. Auch wir haben Kaninchen gehabt, die mit zwei oder drei Jahren verstorben sind – sowohl solche Fälle, die ganz plötzlich verstorben unter dem Tisch lagen, als solche die krank wurden, denen aber trotz einer langen Behandlung bei kleintiererfahrenen Tierärzten und Kliniken nicht geholfen werden konnte.
Kaninchen können an den unterschiedlichsten Krankheiten erkranken. Die Diagnose Abszess erschreckt erst mal noch keinen unerfahrenen Kaninchenhalter. Tatsächlich ist es aber so, dass eine Vielzahl von Abszessen trotz langer intensiver Behandlung und vielen Operationen immer wieder ausbrechen und sich sogar so vergrößern, dass das Tier damit irgendwann nicht mehr leben kann. Wir möchten hiermit auf keinen Fall sagen, ein Abszess soll nicht unbehandelt werden. Ich würde jedem Kaninchen hier alles erdenklich Mögliche an Behandlung bieten, denn es gibt durchaus Fälle, die absolut abheilen, aber es gibt eben auch Tiere, für die ein Abszess leider das Todesurteil ist. Was gerade dieses Beispiel angeht, so lässt sich sagen, dass die Tiermedizin an sich in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat und es sehr viele engagierte Tierärzte gibt, aber die Pharmaindustrie an Tiermedizin leider wenig Interesse zeigt. Denn: mit Tiermedizin lässt sich für die nur selten Geld verdienen. So verschwand zum Beispiel ein sehr wirkungsvolles Mittel gegen Abszesse vor einigen Jahren vom Markt, weil es nötig geworden wäre, dafür eine EU-Zulassung zu beantragen und das war dem Pharmakonzern zu teuer. Und das gilt nicht nur für diesen Fall.
Aber es gibt noch viele weitere Krankheiten, die für Kaninchen leider gefährlich sind. Neben den schon beschrieben Seuchen tritt auch beim Kaninchen Krebs auf. Bei weiblichen Kaninchen vermehrt Unterleibskrebs, dem durch eine frühzeitige Kastration vorgebeugt werden kann (ein in Deutschland noch umstrittenes Verfahren), aber auch alle anderen sind geläufig. Unser Benni bekam zum Beispiel im Alter von 4 Jahren eine Form von aggressivem Lymphknotenkrebs, der sich rasant ausbreitete. Mittlerweile gibt es für Hunde und Katzen Chemotherapien, über deren Sinn sich sicher streiten lässt. Jeder der einen Menschen kennt, der eine solche Prozedur über sich ergehen lassen hat, weiß wie schlimm das ist – nun hat aber ein Mensch zumindest das Wissen, dass es dadurch vielleicht die Chance einer Heilung gibt und er weiß, warum er das mitmacht. Ein Tier weiß das nicht, umso qualvoller die Therapie. Aus dieser Sicht finde ich, so schlimm es ist, ein unheilbar krebskrankes Kaninchen zu haben, dass es vielleicht gut ist, dass es solche Möglichkeiten für Kaninchen gar nicht gibt. Eine sehr ausschweifende Antwort auf die Lebenserwartungsfrage – aber es lässt sich hier beim Kaninchen echt schwer eine pauschale Antwort geben, zu unterschiedlich sind die einzelnen Tiere. Viel wichtiger erscheint mir hier noch mal der Hinweis, bei Krankheitssymptomen sofort einen Tierarzt zu konsultieren und sich nicht (und solche Patienten gibt es, habe ich schon von Tierärzten gehört) zu sagen, mein Kaninchen kann ja nichts Schlimmes haben, es ist doch erst ein Jahr alt.



